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Der offene Kamin: Warum er heute kaum noch eingebaut wird

Ein offener Kamin ist eine Feuerstelle ohne geschlossene Brennkammer: Der Rauch zieht direkt in den Schornstein, die Luft strömt ungebremst aus dem Raum nach. Genau darin liegt sein Problem. Nur ein kleiner Teil der freigesetzten Energie kommt als Strahlungswärme im Zimmer an, der größere Teil verlässt das Haus über den Schornstein, und mit ihm die bereits erwärmte Raumluft. Deshalb gilt der offene Kamin heute als Gestaltungselement, nicht als Heizung. Der Betrieb ist in der Regel nur gelegentlich erlaubt, und neu gebaut wird er selten.

Warum die Wärme nicht im Raum bleibt

Damit ein Feuer brennt, braucht es Luft. Ein offener Kamin zieht diese Luft aus dem Aufstellraum und damit aus Ihrer Wohnung. Die angesaugte Menge ist erheblich, weil die Öffnung groß ist und nichts den Zug begrenzt. Die warme Luft steigt in den Schornstein, kalte Luft strömt durch Fugen, Fenster und Türen nach.

Das führt zu einem Effekt, den viele Besitzer kennen: Vor dem Feuer ist es angenehm warm, im Rücken zieht es. Unter dem Strich kann die Bilanz sogar negativ ausfallen, weil mehr erwärmte Luft abgeführt als Wärme zugeführt wird. Die Strahlung erreicht nur, was direkt vor der Öffnung steht.

Eine geschlossene Brennkammer dreht dieses Verhältnis um. Die Verbrennungsluft wird dosiert zugeführt, die Rauchgase bleiben länger im Gerät, und die Scheibe lässt die Strahlung durch, ohne den Raum leerzusaugen.

Der rechtliche Rahmen: gelegentlicher Betrieb

Weil die Verbrennung im offenen Feuerraum unvollständig abläuft, entstehen vergleichsweise viele Emissionen. Der Gesetzgeber hat darauf reagiert. Offene Kamine dürfen in der Regel nur gelegentlich betrieben werden, also nicht als reguläre Wärmequelle über die Heizperiode hinweg. Was gelegentlich im Einzelfall bedeutet, beurteilt die zuständige Stelle.

Ansprechpartner ist der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger. Er kennt die Anlage, den Schornstein und die örtlichen Vorgaben und sagt Ihnen, ob und in welchem Umfang ein Betrieb zulässig ist. Auch beim zulässigen Brennstoff gibt es Grenzen: In eine offene Feuerstelle gehört ausschließlich naturbelassenes, trockenes Scheitholz. Alles andere ist weder erlaubt noch sinnvoll.

Wer einen offenen Kamin geerbt oder mit dem Haus übernommen hat, sollte den Zustand prüfen lassen, bevor das erste Feuer brennt. Alte Anlagen stehen oft jahrelang ungenutzt, der Schornstein kann versottet oder verstopft sein.

Der Umbau zum geschlossenen Betrieb

Der übliche Weg, aus einem offenen Kamin eine brauchbare Feuerstätte zu machen, ist der Einbau eines Kamineinsatzes. Dabei wird ein geschlossener Feuerraum mit Scheibe in die vorhandene Nische gesetzt und fachgerecht an den Schornstein angeschlossen. Das Feuerbild bleibt erhalten, die Ausnutzung steigt deutlich, und der Zugbedarf sinkt.

Ganz ohne Planung geht das nicht. Zu klären sind unter anderem:

  • Ob der vorhandene Schornsteinquerschnitt zum neuen Einsatz passt, denn offene Kamine haben oft sehr große Querschnitte
  • Ob der Schornstein saniert werden muss, etwa durch eine Innenrohrführung
  • Wie die Verbrennungsluft geführt wird, aus dem Raum oder von außen
  • Ob die vorhandene Verkleidung den Einsatz aufnehmen kann und die Abstände zu brennbaren Bauteilen stimmen
  • Ob die Konvektionsluft im Aufbau ungehindert zirkulieren kann

Ein zu großer Schornsteinquerschnitt ist der häufigste Stolperstein. Die Rauchgase eines modernen Einsatzes sind kühler als die einer offenen Feuerstelle. In einem weiten, kalten Zug kühlen sie zusätzlich ab, der Auftrieb bricht ein, und es kommt zu Zugproblemen und Feuchteschäden. Eine passende Innenrohrführung löst das in vielen Fällen.

Wenn der offene Kamin bleiben soll

Manchmal spricht etwas dagegen, umzubauen, etwa bei einer historisch wertvollen Anlage. Dann geht es darum, den zulässigen gelegentlichen Betrieb möglichst sauber zu gestalten. Verwenden Sie nur gut abgelagertes Scheitholz. Feuchtes Holz verrußt den Zug und belastet die Umgebung. Sorgen Sie für ausreichend Zuluft, sonst zieht der Kamin sie sich aus Undichtigkeiten oder, schlimmer, aus anderen Abgasanlagen.

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn im Haus eine Dunstabzugshaube oder eine Lüftungsanlage arbeitet. Beide fördern Luft nach außen und können den Unterdruck so weit treiben, dass Rauch in den Raum gedrückt wird. Bei einer offenen Feuerstelle ist diese Gefahr größer als bei einer geschlossenen, weil nichts dazwischen ist.

Fazit

Der offene Kamin ist ein schönes Bild und eine schlechte Heizung. Er verschenkt Wärme, verbraucht Raumluft und verbrennt unvollständig, weshalb sein Betrieb heute in der Regel auf gelegentliche Nutzung beschränkt ist. Wer die Atmosphäre behalten und trotzdem heizen möchte, kommt am geschlossenen Einsatz kaum vorbei. Klären Sie den Schornsteinquerschnitt und die Luftzufuhr vorher mit dem Fachbetrieb und der zuständigen Stelle, sonst wird aus dem Umbau ein Zugproblem.

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