Schornstein prüfen lassen: Der erste Schritt vor jedem Ofenkauf
Bevor Sie sich für einen Ofen entscheiden, sollte geklärt sein, ob Ihr Schornstein ihn überhaupt aufnehmen kann. Geprüft werden dabei im Kern vier Dinge: der Querschnitt und die wirksame Höhe, der bauliche Zustand, die vorhandene Belegung mit anderen Feuerstätten und die Frage, ob der Zug zur geplanten Betriebsweise passt. Zuständig für diese Beurteilung ist der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger. Seine Auskunft vorab kostet wenig Aufwand und verhindert die häufigste teure Überraschung im Kaminbau: ein gekauftes Gerät, das nicht angeschlossen werden darf.
Warum der Schornstein den Ofen bestimmt und nicht umgekehrt
Ein Ofen erzeugt Rauchgase, die durch den Auftrieb im Schornstein abgeführt werden. Damit das funktioniert, müssen Temperatur, Menge und Querschnitt zusammenpassen. Ist der Querschnitt zu klein, staut sich das Abgas. Ist er zu groß, kühlen die Gase auf dem Weg nach oben ab, der Auftrieb bricht ein, und Feuchtigkeit schlägt sich an den Wänden nieder.
Das zweite ist der Grund, warum ausgerechnet moderne, sparsame Geräte an alten Schornsteinen Probleme machen. Frühere Feuerstätten schickten viel heißes Abgas nach oben und hielten den Zug damit warm. Ein heutiges Gerät nutzt die Wärme besser und gibt entsprechend kühlere Abgase ab. Der alte, weite Zug wird dadurch zur Kältefalle.
Die wirksame Höhe spielt ebenfalls mit. Sie ist der Abstand zwischen dem Anschluss der Feuerstätte und der Mündung. Je größer sie ist, desto mehr Auftrieb entsteht. Ein Ofen im obersten Geschoss hat es deshalb schwerer als einer im Erdgeschoss.
Was bei der Begutachtung angeschaut wird
Der Fachmann verschafft sich zuerst einen Überblick über die Anlage und ihre Geschichte. Dann geht es ins Detail. Üblicherweise werden diese Punkte betrachtet:
- Innerer Querschnitt und Verlauf des Zuges, einschließlich etwaiger Versätze
- Wirksame Höhe vom geplanten Anschluss bis zur Mündung
- Material und Zustand der Innenwandung, Hinweise auf Versottung oder Risse
- Ob und wie der Zug bereits belegt ist, also ob andere Feuerstätten daran hängen
- Lage der Mündung über dem Dach und im Verhältnis zu Nachbarbauteilen
- Abstände zu brennbaren Bauteilen entlang des Verlaufs
- Vorhandene und zugängliche Reinigungsöffnungen
Aus diesen Punkten ergibt sich, welche Geräteklasse infrage kommt. Manchmal ist die Antwort einfach, oft lautet sie: geht, aber mit einer Maßnahme.
Versottung, Mehrfachbelegung, zu weiter Querschnitt
Versottung entsteht, wenn Rauchgase im Zug unter ihren Taupunkt fallen und Feuchtigkeit sich mit Rußbestandteilen im Mauerwerk festsetzt. Sichtbar wird das an dunklen, feuchten Flecken, die von innen nach außen durchschlagen, oft begleitet von einem stechenden Geruch. Übermalen hilft nicht, weil die Ursache im Zug liegt. Abhilfe schafft in der Regel eine passende Innenrohrführung.
Mehrfachbelegung bedeutet, dass mehrere Feuerstätten in denselben Zug münden. Das ist nicht grundsätzlich unzulässig, aber an Bedingungen geknüpft, die von Gerätetyp und Betriebsweise abhängen. Ob Ihr geplanter Ofen zu einer bestehenden Belegung dazupasst, ist eine der Fragen, die Sie nicht selbst beantworten können.
Ein zu weiter Querschnitt ist typisch für Schornsteine, die einst einen offenen Kamin oder einen alten Kessel bedienten. Die Lösung ist meist ein eingezogenes Innenrohr im passenden Maß, das den Querschnitt reduziert und die Wandung glättet.
Wenn kein tauglicher Zug vorhanden ist
Nicht jedes Haus hat einen Schornstein, und nicht jeder vorhandene lässt sich ertüchtigen. Dann bleibt der Neubau einer Abgasanlage, entweder innen als gemauerter oder als Fertigteilschornstein oder außen als Edelstahlschornstein an der Fassade. Beides ist möglich, beides will geplant sein, und beides berührt Statik, Dachdurchdringung und Optik.
Auch hier gilt: Die Beurteilung gehört an den Anfang, nicht ans Ende. Wer den Ofen zuerst kauft und dann feststellt, dass die Fassadenlösung an einem Balkon scheitert, hat die Reihenfolge verkehrt herum gewählt.
Wie Sie den Termin vorbereiten
Sie helfen der Beurteilung, wenn Sie ein paar Dinge bereithalten. Nützlich sind Unterlagen zu vorhandenen Feuerstätten, Hinweise darauf, wann und wie der Zug zuletzt genutzt wurde, und eine Vorstellung davon, welche Bauart Sie planen und in welchem Raum. Auch die Frage nach einer Lüftungsanlage oder einer Dunstabzugshaube gehört dazu, weil beides den Betrieb beeinflusst.
Erwarten Sie keine Kaufberatung. Die zuständige Stelle sagt Ihnen, was zulässig und was technisch tragfähig ist. Welches Gerät dazu passt, planen Sie danach mit dem Fachbetrieb.
Fazit
Der Schornstein ist die Bedingung, der Ofen die Folge. Querschnitt, Höhe, Zustand und Belegung entscheiden darüber, was möglich ist. Holen Sie die Beurteilung durch den bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger ein, bevor Sie ein Gerät aussuchen, und planen Sie eine mögliche Sanierung des Zuges von vornherein mit ein. Diese Reihenfolge ist der wirksamste Schutz vor Fehlinvestitionen.